Scheppach GS55
Wenn der Garten nach dem Rückschnitt mal wieder aussieht wie ein Schlachtfeld aus Ästen und Zweigen, stellt sich die Frage: Wohin mit dem Zeug? Der Scheppach GS55 ist einer dieser Kandidaten, die versprechen, das Chaos für schmales Geld zu bändigen. Wir haben uns das Teil mal genauer angeschaut. Hier ist mein ehrlicher Testbericht – ohne Marketing-Blabla, dafür mit Fokus auf das, was im Garten wirklich zählt.
Fazit
Unser Urteil
Detaillierte Auswertung
- Schrauben
- Bohren
- Laden
- Preis-Leistung
- Sehr hohe Leistung
- Lange Akkulaufzeit
- Akku wechselbar
- Starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Keine Bits enthalten
Der erste Eindruck: Leichtgewicht mit Plastik-Charme
Packt man den GS55 aus, merkt man sofort: Hier hat man kein tonnenschweres Profigerät vor sich. Mit gerade einmal rund 10 kg ist er ein echtes Leichtgewicht.
- Aufbau: Das Fahrgestell ist fix montiert. Wer schon mal ein IKEA-Regal unfallfrei aufgebaut hat, braucht hierfür keine 10 Minuten.
- Mobilität: Dank der großen Räder lässt er sich wie ein Rollkoffer über den Rasen ziehen. Aber Vorsicht: Da die Spurweite recht schmal ist, wird die Fuhre auf unebenem Boden schnell mal kippelig.
Fliegengewicht mit Tücken
Schon beim Auspacken fällt auf, dass Scheppach hier auf maximale Gewichtsreduzierung gesetzt hat. Mit rund 10 kg gehört der GS55 zu den absoluten Leichtgewichten in seiner Klasse. Das Gehäuse besteht fast vollständig aus schlagfestem Kunststoff, was erst einmal nicht minderwertig wirkt, aber eben auch keinen "Panzer-Vibe" versprüht.
- Transport: Dank der zwei Räder und des ergonomischen Griffs lässt er sich wie ein Trolley ziehen. Das ist perfekt, wenn man den Häcksler mal eben von der Garage zur hintersten Ecke des Gartens bringen muss.
- Stabilität: Hier liegt jedoch die Kehrseite der Medaille. Das geringe Gewicht in Kombination mit der schmalen Spurbreite sorgt dafür, dass der GS55 auf unebenem Rasen nicht ganz so sicher steht wie seine 25-kg-Kollegen. Man muss beim Einführen von sperrigen Ästen darauf achten, das Gerät nicht versehentlich umzuwerfen.
Leistung: Was schafft der 2400-Watt-Motor?
Scheppach gibt eine maximale Aststärke von 45 mm an. In der Theorie klingt das super, in der Praxis sieht es so aus:
Das Gute
- Frischer Grünschnitt: Bei frischen Zweigen und weichem Material zieht der GS55 ordentlich durch. Er produziert feine Schnipsel, die sich perfekt als Mulch oder für den Kompost eignen.
- Geschwindigkeit: Dank der Messer-Technik arbeitet er zügig. Wenn man ihn mit dem richtigen Material füttert, ist der Haufen schneller weg, als man "Häcksler" sagen kann.
Das weniger Gute
- Hartholz & dicke Äste: Bei trockener Eiche oder Ästen, die wirklich an die 40-mm-Marke kratzen, quält sich der Motor hörbar. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, sonst löst der Überlastschutz aus.
- Verzweigtes Material: Wer buschige Zweige hat, muss oft vorarbeiten. Der Einwurfschacht ist sicherheitsbedingt schmal, sodass man sperriges Gut oft erst mit der Schere "begradigen" muss.
Was die 2400 Watt wirklich leisten
Das Herzstück ist ein Reihenschlussmotor mit 2400 Watt. In der Welt der Messerhäcksler ist das ein solider Wert. Die zwei Wendemesser auf der rotierenden Stahlscheibe sind rasiermesserscharf geschliffen.
In der Praxis bedeutet das: Frisches Holz, wie zum Beispiel Haselnuss oder junger Obstbaumschnitt, wird förmlich pulverisiert. Das Ergebnis ist ein feines, flaches Häckselgut, das sich hervorragend als Mulchschicht unter Hecken eignet. Bei trockenem Hartholz sieht die Welt allerdings anders aus. Hier merkt man, dass der Motor an seine Grenzen stößt. Man hört richtig, wie die Drehzahl sinkt, wenn man einen 40-mm-Ast einführt.
Was man beim Arbeiten beachten sollte:
- Kein Selbsteinzug: Man muss das Material aktiv nachschieben. Der mitgelieferte Stopfer ist hier dein bester Freund, besonders bei kurzem Kleinkram.
- Vermeidung von Verstopfung: Wenn man zu viel feuchtes Laub auf einmal einwirft, bildet sich im Auswurfschacht ein Pfropfen. Mein Trick: Immer abwechselnd einen kräftigen Ast und dann eine Handvoll weiches Material häckseln – der Ast "putzt" den Schacht quasi wieder frei.
Lärm und Vibration: Die Nachbarn lassen grüßen
Man muss ehrlich sein: Der GS55 ist ein Messerhäcksler, kein Leisehäcksler (Walzenhäcksler).
- Er arbeitet mit hoher Drehzahl (4100 min−1), was in einer ordentlichen Geräuschkulisse resultiert.
- Mit einem Schalldruckpegel von über 100 dB ist ein Gehörschutz absolut Pflicht, wenn man nicht den Rest des Tages ein Pfeifen im Ohr haben will.
Ergonomie und Arbeitssicherheit
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die Bedienbarkeit unter Last. Der Einwurfschacht des GS55 ist mit Gummilamellen geschützt, die verhindern sollen, dass Holzsplitter zurück nach oben geschleudert werden. Das funktioniert gut, macht den Einwurf von stark verzweigten Ästen aber manchmal zu einem Geduldsspiel, da man den Ast erst "einfädeln" muss.
Was die Sicherheit angeht, macht Scheppach keine Kompromisse. Der Häcksler verfügt über einen Überlastungsschutz, der den Motor sofort abschaltet, wenn ein Ast das Messer blockiert. Auch der Wiederanlaufschutz ist vorhanden – nach einem Stromausfall läuft die Maschine nicht einfach wieder los, was bei Messern, die mit über 4000 Umdrehungen pro Minute rotieren, lebenswichtig ist.
Die "Lärm-Frage" und Wartung
Reden wir Tacheles: Wenn du diesen Häcksler einschaltest, weiß es die ganze Straße. Die Kombination aus hochtourigem Elektromotor und dem peitschenden Geräusch der Messer, die auf Holz treffen, erzeugt eine ordentliche Kulisse.
- Gehörschutz: Wer hier ohne Schutz arbeitet, handelt fahrlässig. Der Schalldruckpegel liegt bei über 100 dB.
- Messerpflege: Ein großer Vorteil des GS55 ist die Wartungsfreundlichkeit. Die Messer sind als Wendemesser konzipiert. Wenn die erste Seite stumpf ist, schraubt man sie einfach um. Das Gehäuse lässt sich über eine große Rändelschraube leicht öffnen, sodass man das Messerwerk in Sekunden freilegen kann.
Für wen ist der Scheppach GS55 also geeignet? Wenn du einen kleinen Garten hast, in dem hauptsächlich Hecken (Thuja, Liguster) und junge Sträucher anfallen, ist das Gerät ein absoluter Preis-Leistungs-Sieger. Wer jedoch alte Eichen oder massive Obstbäume pflegt, wird auf Dauer mehr Kraft und Nerven investieren, als das Gerät am Ende spart. Da lohnt sich dann eher der Griff zu einem deutlich teureren und schwereren Walzenhäcksler.